Sonnenfinsternis* Eine Geschichte von Beau Cyphre - mit einem Dialogsample aus dem Film "Matrix" *Vampire sind anders. Sie hat es mir gezeigt. Sie hat es mich spüren lassen.
Anfangs inspiriert durch zwei, drei Fotos von Marleen B. Thank U!
Danke aber vor allem an all diejenigen, die dieses Gefühl noch vertieft haben. Wir alle sind in Finsternis gehüllt.
The future's a dream, and sometimes dreams become nightmares because of our fears.Geronimo, Aphorisms"The last time we slept together
There was something that was not there
You never wanted to alarm me
But I'm the one that's drowning now"
Bloc Party, SignsDeadline: Ein Duell ohne Sieger iwishuheavende:Ich bin in einem Zustand gespannter Erwartung, als ich den großen Platz vor dem Hamburger Rathaus betrete.
Der Himmel ist leicht bewölkt, aber es sieht nicht nach Regen aus, und als ich nach oben schaue, um die Wucht des Gebäudes auf mich wirken zu lassen, bricht die Sonne durch die Wolken.
Ein unglaublich schönes und erleichterndes Gefühl, zu wissen, dass es heute passieren wird.
Ich habe keine Ahnung, wie du aussiehst, und um nicht überrascht zu werden, blicke ich mich einmal nach allen Seiten um und begebe mich dann zur Brücke über die Alster.
Ich lehne mich ans Geländer und beobachte die Menschen.
Ich atme tief ein und sammle meine Kräfte.
beautifulexp:In der Schlacht
dieser Nacht
hab' ich ans Licht gebracht,
was ich durchdacht!
Von dem Quell
zu der Stell
an der ich dich töten will,
ist es nur ein Katzensprung
drum:
Vergiss nicht, was ich dir gesagt
in deinem Traum
der letzten Nacht.
Halt dich bereit,
fühl meine Macht!
iwishuheavende:Einen Moment lang schließe ich die Augen und spüre dem Traum der letzten Nacht nach.
Aber es gelingt mir nicht, den entspannten Zustand zu erreichen, der mich einen Zipfel des Traumgewandes fassen lässt, und so bleibt mir nur die Ahnung, dass da irgendwo ein Schatten auf mich wartet, der mich in vollkommene Dunkelheit hüllen will.
Als ich die Augen wieder öffne, fühle ich, dass mein Herz schneller schlägt und ich die Kontrolle zu verlieren drohe.
Ich habe alles hinter mir gelassen:
Meine Gedanken,
meine Sicherheit,
meine "Bildung",
meine Vergangenheit.
Doch nicht so, nicht so,
dass ich nicht spüre,
wie meine Vergangenheit in mir kämpft,
mir Furcht einflößt vor einer neuen Art
zu leben,
vor einer neuen Art von Freiheit -
einer Art von Freiheit,
die den Tod nicht mehr als Feind bezeichnet.
Ich rase
mit unglaublicher Schnelligkeit
auf einen Punkt zu,
wo die Angst
mich zu lähmen droht.
Ich hoffe,
dass meine Angst früher stirbt
als ich.
Langsam stoße ich
an meine Grenzen,
und diese Grenzen machen mir
in erschreckender Weise klar,
was es bedeutet,
ein Mensch zu sein.
Als ich mir der Kälte des Brückengeländers an meinen Handinnenflächen bewusst werde, fühle ich, dass du angekommen bist.
Ich vermeide es, dich mit den Augen zu suchen, denn ich würde dich nicht sehen.
beautifulexp:Ich kann dich schon spüren, bevor ich ankomme. Deine Angst reizt mich, und ich kann meine Gier kaum unterdrücken.
Doch ich habe gelernt, zu warten, und so bewege ich mich im Schutz der Schatten, die mich begleiten.
Es ist fast so, als könnte ich dein Blut sehen.
Schon einmal bin ich dir begegnet.
Dieses Mal wird es das letzte Mal sein.
Du glaubst, mich wie einen Fisch ködern zu können mit deiner Angst.
Doch ich bestimme, wann ich zubeiße und dich zerreiße.
Auf deinen nächsten Zug warte ich nicht.
Ich durchschlage deine Deckung schneller, als du es erwartest, und tauche wie aus dem Nichts vor dir auf.
Gedankenimpuls und Handlung sind eins, als ich dir mit dem Daumennagel die Kehle auftrenne, und ich triumphiere bei dem Anblick der Überraschung in deinen Augen. Mein Geist erreicht deinen im gleichen Augenblick, als ich zu trinken beginne, und bevor du die Wunde schließen kannst, habe ich die Kontrolle über deinen sterbenden Körper übernommen.
iwishuheavende:Ich kopple die Identität meines Bewusstseins an die Beschaffenheit des Brückengeländers, und von dort erstrecke ich meine Wahrnehmungsfähigkeit über den gesamten Platz.
Ich lächle, während mein Atem immer tiefer geht und ich mich an den entscheidenden Moment erinnere, als Morpheus sich alle Mühe gibt, Neo die Welt zu erklären:
Du fühlst dich im Moment sicher wie Alice im Wunderland, während sie in den Kaninchenbau stürzt, hmm?
Ich kann es in deinen Augen lesen.
Du siehst aus wie ein Mensch, der das, was er sieht, hinnimmt, weil er damit rechnet, dass er wieder aufwacht.
Ironischerweise ist das nah an der Wahrheit.
Glaubst du an das Schicksal, Neo?"
Nein."
Warum nicht?"
Mir missfällt der Gedanke, mein Leben nicht unter Kontrolle zu haben."
Ich weiß ganz genau, was du meinst!
Ich will dir sagen, wieso du hier bist. Du bist hier, weil du etwas weißt.
Etwas, das du nicht erklären kannst, aber du fühlst es. Du fühlst es schon dein ganzes Leben lang, dass mit der Welt etwas nicht stimmt. Du weißt nicht was, aber es ist da wie ein Splitter in deinem Kopf, der dich verrückt macht. Dieses Gefühl hat dich zu mir geführt.
Weißt du, wovon ich spreche?"
Von der Matrix?"
Möchtest du wissen, was genau sie ist?"
Neo nickt.
Die Matrix ist allgegenwärtig. Sie umgibt uns.
Selbst hier ist sie, in diesem Zimmer. Du siehst sie, wenn du aus dem Fenster guckst oder den Fernseher anmachst. Du kannst sie spüren, wenn du zur Arbeit gehst oder in die Kirche und wenn du deine Steuer zahlst. Es ist eine Scheinwelt, die man dir vorgaukelt, um dich von der Wahrheit abzulenken."
Welche Wahrheit?"
Dass du ein Sklave bist, Neo.
Du wurdest wie alle in die Sklaverei geboren und lebst in einem Gefängnis, das du weder anfassen noch ansehen kannst. Ein Gefängnis für deinen Verstand. Dummerweise ist es schwer, jemandem zu erklären, was die Matrix ist. Jeder muss sie selbst erleben.
Dies ist deine letzte Chance. Danach gibt es kein Zurück.
Schluckst du die blaue Kapsel, ist alles aus. Du wachst in deinem Bett auf und glaubst an das, was du glauben willst. Schluckst du die rote Kapsel, bleibst du im Wunderland und ich führe dich in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus.
Bedenke: Alles, was ich dir anbiete, ist die Wahrheit. Nicht mehr."
Als meine Identität mit allem hergestellt ist, wird die Aktion des anderen Teils von mir zu einem bloßen Gefühl innerhalb einer ganzen Welt von Gefühlen, und ich kann es fast genießen, getrunken zu werden.
Die Schreie der Menschen, die uns beobachten, nehme ich nur am Rande wahr, doch auch sie spielen nur die ihnen zugedachte Rolle.
Hattest du schon einmal einen Traum, Neo, der dir vollkommen real schien?
Was wäre, wenn du aus diesem Traum nicht mehr aufwachst?
Woher würdest du wissen, was Traum ist und was Realität?"
beautifulexp:Es ist ein überwältigend schönes Gefühl, mich mit den Fingern in deinen Hals zu wühlen und meinen Mund auf das pulsierende Fleisch zu pressen.
Ich kann nicht verhindern, dass mir ein Teil deines Blutes entgeht und sich auf den Asphalt der Brücke ergießt.
Ich trinke mit aller Gier, zu der ich fähig bin, und genieße das Entsetzen der Menschen um uns herum als pure Energie, die mich noch leidenschaftlicher vorgehen lässt. Ich beiße mich an deiner geöffneten Halsschlagader fest und empfinde fast so etwas wie sexuelle Erregung, während dein Leben in mich übergeht und mir Substanz verleiht. Dein Blut ist warm und klebrig an meinen Händen, und in meiner Kehle brennt es wie Feuer.
Ich fühle, wie mein Körper die Schatten hinter sich lässt und mit jedem Zug, den ich nehme, materieller wird, und das Glück, das ich empfinde, lässt mir die Tränen in die Augen steigen.
Einen Moment lang löse ich meine Lippen von dir und sehe mich um: da stehen sie mit weitgeöffneten Mündern und können nicht begreifen, was sie sehen. Entsetzen hat sie gelähmt, und das Adrenalin in ihren Körpern lässt die meisten schreien anstatt zu flüchten. Das Zucken deines Körpers wird langsam schwächer und ich fühle, welche Angst ihnen dieser Anblick des herannahenden Todes bereitet.
Eine Sekunde überlege ich, ob du mir genug sein wirst, so gierig macht mich dieses panische Gefühl der Menge.
Ich kann mich nicht entscheiden, ob mir der Blick über die Alster oder der Anblick des Rathauses besser gefällt, und ich berausche mich an meinem eigenen Lachen. Ich liebe Hamburg!
So lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet!
Deine Augen sagen mir, dass du keinen allzu langen Weg mehr vor dir hast, und fast empfinde ich so etwas wie Mitleid mit dir.
Dann beuge ich mich vor, um nicht allzu viel zu verschwenden.
Als ich spüre, wie du mich nun liebevoll umarmst, wird mir eiskalt.
iwishuheavende: Ich weiß nicht, ob ich aus diesem Traum noch einmal aufwachen werde, doch mir ist bewusst, dass die Wirklichkeit in diesem Moment flüssig ist wie heißes Wachs in meinen Händen.
Ich habe lange darauf gewartet, diesen Körper hinter mir lassen zu können, und der Preis, den ich dafür zahle, ist angemessen.
Die anfänglichen Schmerzen halten sich schnell in Grenzen, nachdem ich den ersten Schock dieses plötzlichen, von animalischer Gier bestimmten Angriffs überwunden habe. Als mir dein Geist begegnet, überlasse ich dir die Kontrolle über meinen Körper.
Während ich ausatme, tauche ich tief in dich ein, durchstoße die Schatten und umgehe all deine Verteidigungslinien, lasse meinen Geist mit dem Blut in dich einströmen, das dir zunehmend Substanz verleiht.
Ich kann gar nicht anders, als dich zu lieben.
"Die Finsternis war nunmehr merklich dichter geworden, und nur der Widerschein des weißen Vorhangs vor uns auf dem Wasser erhellte noch das Dunkel. Immer wieder flogen riesige fahlweiße Vögel durch den Schleier, und während sie unserem Gesichtskreis entschwanden, drang unaufhörlich ihr schrilles Tekeli-li!" an unsere Ohren. Da regte sich Nu-Nu noch einmal auf dem Boden des Kanus; als wir ihn jedoch anfassten, fanden wir ihn entseelt und ohne Leben. Und jetzt schossen wir in die Umarmungen des Kataraktes hinein, der einen Spalt auftat, um uns zu empfangen. Aber im selben Augenblick richtete sich vor uns auf unserem Weg eine verhüllte menschliche Gestalt auf, weit größer in allen ihren Ausmaßen, als es je ein Bewohner der Erde gewesen ist. Und die Farbe ihrer Haut war von makellos reinem, schneeigstem Weiß..."
Poe, Seltsame Erlebnisse des Arthur Gordon Pym aus NantucketProlog: Fliegende Schatten / Die Legende"Eine irdische Sonnenfinsternis oder Eklipse (griechisch ἔκλειψις ékleipsis Überlagerung, Verdeckung, Auslöschung"), ist ein astronomisches Ereignis, bei dem die Sonne von der Erde aus gesehen durch den Mond ganz oder teilweise verdeckt wird. (...)
Bis in die Neuzeit hinein galten Sonnenfinsternisse als Unheil bringende Zeichen göttlicher Mächte. Sie waren zugleich aber auch bereits in der Antike Gegenstand wissenschaftlicher Beobachtung. Bekannt ist etwa die von Herodot überlieferte Anekdote, wonach Thales von Milet während des Krieges zwischen den Medern und den Lydern eine Sonnenfinsternis vorausgesagt habe, was zum Friedensschluss zwischen den beiden Mächten geführt habe. Tatsächlich fand eine Sonnenfinsternis am 28. Mai 585 v. Chr. statt. (...)
Besonders faszinierend ist die Beobachtung einer totalen Sonnenfinsternis. Nicht nur wegen ihres hohen Seltenheitswertes über einem bestimmten Gebiet, sondern auch wegen der beeindruckenden Lichtverhältnisse zählt sie zu den eindrucksvollsten Naturphänomenen überhaupt. So nimmt die Beleuchtungsstärke auf etwa 1/10.000 bis 1/100.000 der normalen Sonnenscheinhelligkeit ab, was etwa der 50- bzw. 5-fachen Helligkeit einer Vollmondnacht entspricht. (...)
Etwa eine Minute, bevor die Sonne durch den Mond komplett verfinstert ist, schmilzt die schmale, nach wie vor gleißend helle, Sonnensichel mehr und mehr zusammen. Gelegentlich können in diesem Moment je nach atmosphärischen Bedingungen fliegende Schatten" beobachtet werden, durch Luftflimmern verursachte Schlieren und Bänder, die über den Boden huschen. Oft tritt ein böiger Finsterniswind auf, der den dramatischen Moment kurz vor dem Finsternishöhepunkt fühlbar verstärkt. Die Temperatur fällt ebenfalls um mehrere Grad. Noch bevor die Totalität da ist, kann man von Auge bereits die innere Sonnenkorona erkennen. Wenn der letzte Sonnenstrahl durch ein oder mehrere Mondtäler erlischt, spricht man vom Diamantringeffekt (engl. Baily's beads) oder der Diamantkette. (...)
Die Lichtveränderung in der Natur ist während einer totalen Sonnenfinsternis einzigartig. Schon ab hochprozentiger partieller Finsternis nimmt das Licht eine unnatürliche bleifarbene Tönung an. Schatten werden auf einmal konturreicher, und im Schatten von Bäumen und Sträuchern bilden sich durch den sogenannten Lochblenden-Effekt" (Camera obscura) hundertfach Sonnensichelchen und Lichtkringel auf dem Boden (Fliegende Schatten oder Tanzende Schatten).
Mit Eintritt der Totalität färbt sich der Horizont innerhalb einer halben Minute orangegelb bis rötlich, während der Kernschatten den Himmel in Zenitnähe tief dunkelblau erscheinen lässt. Mit etwas Glück können die hellsten Planeten oder Fixsterne (Stern) um die finstere Sonne herum gesichtet werden.
Oft fällt die Temperatur während einer totalen Sonnenfinsternis um mehrere Grade. Durch den kurzzeitigen Temperaturabfall klarte schon oft ein bedeckter Himmel während einer Sonnenfinsternis für Augenblicke auf. Auch Tiere reagieren auf die plötzlich hereinbrechende Dunkelheit. Vögel verstummen, während Fledermäuse aus ihren Verstecken hervorkommen." (Quelle: Wikipedia)*
Nach einer alten Legende der Noggta spricht man dann von einer Sonnenfinsternis, wenn die Sonne nicht stark genug ist, alle Schatten zu vertreiben. Jenseits des ersten Planeten Mercurio, dem
über alles geliebten Kind der Götter, treffe dies auf sämtliche Söhne und Töchter der Götter zu. Sie alle sind in Finsternis gehüllt.
1Ich kenne dich nicht, wenn ich dich anschaue, und doch...
Und doch bist du mir zutiefst bekannt.
Wir sind uns schon einmal begegnet, damals, so lange her, dass ich kaum atmen kann, wenn ich zurück denke.
Ich halte den Atem an, denn das, genau das war der Blick, der mich beinahe um den Verstand brachte und mich vergessen ließ, was ich so dringend tun musste.
Aber ich zögerte nur einen Augenblick, und mein Hass war stark genug, dass ich meine Begierde hinter mir lassen konnte, und so drang der Pfahl tief in dein Fleisch ein, und ich war so schnell besudelt mit deinem unheiligen Blut, dass es wie eine Kriegsbemalung auf meiner Haut aussah. Ja, ich zog in diesen Krieg, schon Jahre zuvor, aber ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich einmal in meinem Leben einem Wesen wie dir begegnen würde.
2Ich hab sie gespürt, da bin ich sicher. Aber ich kann nicht sagen, was es genau war, und ich will nicht darüber nachdenken. Vor allem aber will ich mich nicht umdrehen.
So schaue ich weiter in den mir noch völlig unbekannten Wald, und ich versuche, dem Drang, einfach loszurennen und mir die Seele aus dem Leib zu schreien, zu widerstehen. Was nicht sein darf, kann nicht sein. Ja, was nicht sein darf, kann nicht sein...
3Sie hatte ihn getäuscht, und es war beinahe tödlich, dass er auf sie herein gefallen war. Ihre so offensichtliche Unschuld hatte ihn bezaubert, und ein Blick in ihre Augen hatte ihn jede Vorsicht fahren und ihr bedingungslos vertrauen lassen. Wie konnte er nur so dumm sein!
Er war gewarnt worden, dass gerade in dieser Region des Landes jederzeit mit ihnen zu rechnen und dass es nicht einfach sei, sie zu unterscheiden. Aber einer von ihnen bei Tageslicht zu begegnen? Das war einfach unmöglich. Und doch hatte sie gerade eben von seinem Blut getrunken, und er konnte die anderen aus seiner Gruppe in Rufweite sehen - aber er war unfähig, sich zu rühren, konnte kaum die Zunge bewegen, um ein einziges Wort zu formen. Er konnte sie nur anschauen, und sie schien auf etwas zu warten, auf etwas zu horchen. Ja, sie schien ihn zu schmecken, und vielleicht konnte sie seinen Herzschlag hören, der nun langsamer und langsamer wurde. Gott, ihm war so kalt! Jetzt kam die Sonne hinter den Wolken hervor, und mit ihr die Hoffnung, dass sich doch noch etwas ändern würde - bis sie ihn anlächelte, ja. Bis zu dem Augenblick, als sie ihn anlächelte und er mit Entsetzen feststellen musste, wie jeder einzelne Sonnenstrahl vom tiefen Schwarz ihrer Haare geschluckt wurde, das so sehr im Gegensatz zum makellosen Weiß ihrer Haut stand. Vielleicht würde sie ihn ja noch eine Zeit lang leben lassen, bis sie ihn endgültig mit sich in die ewige Nacht riss, die so geschickt hinter dem Schleier des Tageslichts verborgen war, dass er sie gar nicht wahrgenommen hatte. Aber nun...ja, nun konnte er die Nacht sehen, und die Dunkelheit ließ sich von der Sonne nicht vertreiben, weil er sie nach ihrem Kuss nun in sich trug. Die zunehmende Kälte in seinen Adern fühlte sich sogar irgendwie schön an, und als sich ihre Lippen den seinen nun so sehr näherten, dass er bei ihrem Anblick den Atem anhalten musste, fiel er wie von selbst in ihre Augen, um sich bei diesem Kuss für immer zu vergessen.
4Ein Traum, ein Traum, nur ein Traum, nur ein weiterer Traum!
5Hinter der Brücke war unbebautes Land, Hecken und Sträucher. Aber da waren zu viele Schatten, zu wenig Licht bei wolkenlosem Himmel. Mein Vater hatte mich gewarnt, und er hatte mich gelehrt, worauf ich achten musste, bevor er in Hamburg am hellichten Tag vorm Rathaus gestorben war.
Jetzt hörte ich es! Wie ein leises Glockenspiel, und es vibrierte etwas in der Luft. Ich durfte meinen Augen nicht trauen, wenn ich überleben wollte, und nun verlangsamte ich meinen Herzschlag. Die Sonne einatmen, ganz langsam, ganz einfach... die Sonne einatmen.
Sie würde mein Schutz sein, und sie brannte jetzt in meinem Nacken und warf meinen Schatten nach vorne. Nur ein weiterer von so vielen Schatten, aber auf jeden einzelnen würde ich achten müssen, sogar auf meinen eigenen. Ich hatte Angst, und auch Angst war notwendig. Nicht zu viel davon, nicht zu wenig. Angst war der Honig, der die Brut aus ihrem Nest lockte. Angst würde mein Tod sein, wenn ich zuließ, dass sie mich lähmte. Doch ich war so müde, so schrecklich müde. Manchmal habe ich genug von all dem Blut.
6Engel taugen nichts, wenn sie sich nicht in die Hölle wagen.Ich hatte Geronimos Satz in tiefblauer Schrift quer über die Wand meines Zimmers gemalt, als ich zwölf Jahre alt war. Vater hatte mir dabei zugesehen, und er sagte kein Wort.
Ich musste aufpassen, dass die Farbe nicht verlief. Ich brauchte genau die richtige Menge Farbe, und ich durfte den Pinsel weder zu leicht noch zu fest aufdrücken und musste ihn im genau richtigen Tempo über die Struktur der Wand bewegen. Ich wollte nicht, dass auch nur ein Tropfen Farbe nach unten lief.
Engel taugen nichts, wenn "Sind wir das? Engel?"
Vater hatte mir alles über die Jäger erzählt, als er glaubte, ich sei alt genug dafür, um die Aphorismen Geronimos zu verstehen. Aber die Jagd sei nichts für mich, bevor mein Körper stark genug und mein Geist weit genug sei, um Angriffen widerstehen zu können.
"Ja. Aber die meisten von uns haben es vergessen."
Ich musste mich konzentrieren, ich durfte nicht zu langsam werden mit dem Pinsel. Ich hatte es gleich geschafft, und kein einziger Tropfen wäre nach unten unterwegs.
Engel taugen nichts, wenn sie sich nicht in "Aber wie können wir vergessen, dass wir Engel sind, Vater?"
Diesmal schaute ich ihn kurz an, weil ich es einfach nicht fassen konnte: Etwas so Herrliches wie ein Engel sein und es dann... vergessen? Das war doch unmöglich. Und wie...
Mist! Ein Tropfen Farbe lief langsam vom Bogen des
n die Wand hinunter, zog seine Spur wie eine Träne.
Ich nahm den Pinsel weg und begann das nächste Wort, achtete aber diesmal darauf, meinen Vater nicht wieder anzuschauen.
"Geronimo sagt, dass wir es vergessen wollten, und dass wir alles getan haben, um es zu vergessen." Er hielt kurz inne, dann sprach er weiter: "Wir sind abgefallen. Die Aufgabe erschien uns zu groß, und wir waren in Furcht. Also vergaßen wir unsere Unsterblichkeit und alles, was uns aufgetragen war."
die Hölle wagenIch war am Ende angelangt und setzte den Punkt, um zu verhindern, dass der Satz weiter ging, und ich wünschte mir auf einmal, dass Vater still sein und dass er nicht weiter sprechen, dass er niemals weiter sprechen würde. Ich wünschte mir so sehr, dass es nichts mehr zu sagen gab, und ich drängte die Fragen zurück - all die Fragen, an die ich denken musste - bevor ich sie aussprechen konnte.
Nun nahm er mir sanft den Pinsel aus der Hand, weil ich zu heftig zitterte, und ich sah, wie der einzelne Tropfen weiter und weiter seine Bahn zog.
"Aber wir können gar nicht anders..." sagte er leise.
7Vater hatte mir dabei zugesehen, und er sagte kein Wort. Vater hatte mir dabei zugesehen, und er sagte kein Wort.
Ich erzählte mir selbst so viele Lügen, bis ich endlich soweit war.
8Angst ist das, was uns schwer macht, was uns sinken lässt. Wir mussten in großer Furcht sein, um diesen weiten Weg gehen zu können, und ER tat alles dafür, dass wir bis ganz nach unten gehen konnten. Wie sehr wir ihn dafür hassten!
9Er hatte von einem Engel geträumt, und obwohl er noch keines dieser Wesen gesehen hatte, war er sicher, dass es ein Engel sein musste.
Er nahm ihr Bild mit sich, ein wenig verschwommen und langsam wegtauchend - doch als er sie dann endlich sah, erkannte er sie sofort wieder, und es nahm ihm den Atem, in ihre Augen zu sehen.
Es war, als würde sie ihn direkt aus dem Bild, aus dem Foto heraus anschauen. Ihre Augen waren so lebendig, so voller Wärme, und obwohl ihr Mund nicht zu sehen war, war er sicher, dass sie lächelte.
Die Art, wie sie ihn scheinbar aus dem Foto heraus anblickte, erinnerte ihn an eine Szene aus
Once Upon A Time In America. Sergio Leone ließ in dem Film einen Jungen heimlich durch ein Guckloch sehen und das Mädchen beobachten, das er sein ganzes Leben lang anbeten würde. Er verfolgte jede ihrer Bewegungen, als sie geschmeidig zur Musik aus dem Grammophon tanzte, und sie wusste die ganze Zeit, dass er sie keinen Atemzug lang aus den Augen ließ. Mit einem einzigen Blick und einem spöttischen Lächeln gab sie ihrem stillen Bewunderer zu verstehen, dass sie sehr wohl um ihn wusste, und Noodles erschrak zu Tode, als er mit einem Mal
sichtbar war.
Doch hier schaute sie ihn an, und obwohl das Foto wie ein heimliches Guckloch in seine Welt war, versteckte sie sich nicht. Sie bewunderte ihn ganz offen.
Sie schaute ihn auf eine Weise an, wie er noch nie angeschaut worden war, und er wusste, er musste sie haben.
Er wusste, er musste sie finden, auch wenn sie am anderen Ende der Welt, auch wenn sie vielleicht längst tot oder verdammt war, und dieses Ziel, dieser unstillbare Hunger beherrschte von nun an sein gesamtes Denken und Handeln.
10Du hattest mir so viele Geschichten erzählt, Vater, so viele Geschichten, und manche waren so schön, dass sie mich in meine Träume verfolgten. Träume sind das, was uns als Kinder ausmacht, und vielleicht habe ich genau diese Träume gebraucht, um nun in dieser Dunkelheit zurecht kommen zu können.
11Geronimo sei einer der ersten Vampire, und er war einer der ersten Engel auf Erden gewesen. Er habe so heftig zwischen der lichten und der dunklen Seite des Spektrums geschwankt, dass er oft Engel und Teufel zugleich war, und er hatte ganze Länder in Angst und Schrecken versetzt, bevor sie ihn letztendlich... anbeteten. Sein Name kam an Klang dem des Teufels gleich, und Luzifer habe gescheut, ihm in die Augen zu blicken, als sie sich in der Tiefe begegneten. Das alles seien nur Legenden, sagte mein Vater, und niemand wisse, was aus Geronimo geworden sei. Überliefert sind lediglich seine Aphorismen.
12"In this brilliant darkness
So-called angels of light
"Lies, lies, lies, lies, lies"
And all the Rainbow Children
Will stand and fight
4 everlasting, everlasting life
4 the one who sits on the right
4 Him, we're willing 2 do the work"
Prince, Digital Garden "Wenn ich töte... was bedeutet das, Vater? Sie leben doch, ich kann es sehen! Ihre Augen leuchten so hell."
Vater wartete, er dachte nach, zögerte. Ich beobachtete ihn, sah ihm tief in die Augen, und obwohl er meinem Blick nicht auswich, entfernte er sich von mir.
"Die Verbannten haben sich gegen das Leben entschieden. Sie bringen den Tod. Töten wir sie nicht, dann töten sie Menschen, bis keiner mehr übrig ist. Sie hüllen die Welt in Finsternis."
Er hielt inne, dann sprach er weiter: "Sie täuschen Leben vor, wo keines ist. Ihr Blick hält dich fest, und dein Mitleid ist tödlich."
"Aber wenn wir sie alle töten, Vater... wenn wir Jagd auf sie machen, bis alle ausgelöscht sind - was tun wir dann anderes als sie?"
Vater schnaubte verächtlich, tat meinen Einwand mit einer Handbewegung ab.
"Du kannst nicht töten, was schon tot ist."
Er wollte mir die Schuldgefühle nehmen, und er wollte mich auf meine Aufgabe, meine heilige Pflicht einschwören. Stattdessen beunruhigte er mich zutiefst.
"Wenn ich unvorsichtig bin, Vater, und wenn ich einer von ihnen werde - wirst du mich dann töten?"
Vaters Stimme war auf einmal unendlich kalt: "Deine Mutter hat einen lebendigen Sohn geboren. Tote leben nicht."
13Viele der Häuser brannten, und die Schreie der Flüchtenden hallten in den Gassen. Das Dorf würde schon in wenigen Monaten wie eine jener Geisterstädte im amerikanischen Hinterland aussehen, aber jetzt war noch Leben da - oder das, was davon übrig war. Die Tür war nur angelehnt, und durch die von den Bränden draußen erhellte Diele kam ich direkt in die Küche, wo das Kind in einer Blutlache auf dem Boden saß. Ich konnte es nur von hinten sehen, und ich betete, dass es sich nicht umdrehen würde. Das Kind war nicht älter als zwei Jahre, und seine Zeit war abgelaufen. Es gluckste zufrieden. Seine blonden Haare waren blutverschmiert, und mit der linken Hand wühlte es im Bauch der auf dem Teppich ausgestreckten männlichen Leiche. Die Frau in der gegenüberliegenden Ecke des Zimmers war noch am Leben, aber sie sah mich genauso wenig wie ihr eigenes Kind, das jetzt in anderen Welten spielte. Sie gab Laute von sich, die Schluchzern vermischt mit abgehackten Atemzügen glichen, und ich wünschte mir, dass sie sterben würde, bevor die Situation eskalierte. Der Gestank des Blutes und der freigelegten Eingeweide des Mannes war unerträglich, aber niemand hat jemals behauptet, dass der Weg in den Himmel ein einfacher sei. Das Kind drehte sich um und schaute mich an. Es war ein Mädchen, und es hatte wunderschöne Augen. Es lutschte an einem blutbesudelten Finger, und Maria lächelte mich an, als wollte sie ihre schlechten Tischmanieren entschuldigen. Es spielt keine große Rolle, was sie mir an diesem Abend sagte, denn ihre Laute waren nur die eines Kleinkindes. Hinter der Sprache war aber etwas wie glühende Kohlen, als ich den Schürhaken aus dem Feuer nahm und alles tat, um die Ordnung wiederherzustellen, die hier irgendwie verloren gegangen war. Wie lautete einer der Aphorismen Geronimos, der mich auf solche Dinge vorbereiten sollte?
Dieser Planet gleicht mehr und mehr einem Schlachthaus, und die Toten werden das Fleisch der Lebenden essen.14 Was ich an Littlewood am meisten liebte, war die Stadtbücherei. Nirgendwo konnte ich Mädchen unauffälliger anschauen, und es war der beste Ort, sie auf eine Art kennen zu lernen, die irgendwie fast normal war. Ich musste nichts Außergewöhnliches tun, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen; ich brauchte keine Show abzuziehen. Ich musste nur beobachten und den richtigen Moment abpassen, um ins Gespräch zu kommen.
Die meisten Mädchen aus meiner Klasse hatten feste Freunde, die mindestens zwei Jahre älter waren als ich und Dinge bieten konnten, von denen ich noch weit entfernt war. Ich hatte mein Fahrrad statt eines Autos, und die paar Ferienjobs brachten nicht genug Geld, um mir die Klamotten leisten zu können, die Mädchen an Jungs so cool fanden. Ich hatte immer nur die Worte. Während die anderen danach suchten, waren sie für mich immer da. Die Worte bewirkten Zauberdinge, und sie ließen mich niemals im Stich.
Im Anfang war das Wort.Das war der erste Aphorismus des dunklen Engels, den mir mein Vater beigebracht hatte, und ich verstand ihn intuitiv. Ich musste nicht nachfragen, um seine Tiefe zu ermessen, und ich atmete seinen Klang wie reine Luft. Das Wort hatte mir meine Gestalt verliehen, es war die Substanz meiner Seele und meines Körpers, und Sprache wurde dann zum heiligen Akt, wenn sie sich im Augenblick höchster Stille Ausdruck verschaffte. Das war der Moment, den es abzuwarten galt, und alles Weitere war Zauber, wahre Magie. Der Moment für Beatrice war fast da, noch sieben Mal ein- und sieben Mal ausatmen, bis die Atmung langsam genug sein würde, um die Sprache nicht zu stören.
"Ich weiß nichts über dich, Beatrice, aber ich kenne deinen Namen" sagte ich leise, ohne sie direkt anzuschauen. "Ich habe ihn in diesem Buch gelesen."
Mein Blick war gedankenverloren, und ich hatte meine Augen auf das Buch gerichtet, das ich drei Minuten vorher ohne nachzudenken aus dem Regal genommen hatte. Ich kannte weder Titel noch Inhalt, und das alles war unwichtig. Abwarten war wichtig, und die nächsten zwei Sekunden würden alles entscheiden.
Wir waren allein in der Regalreihe, und sie bewegte sich nicht. Jetzt sah sie mich an, ich konnte es spüren, und ich musste weiter ins Buch sehen, wenn ich es nicht verderben wollte.
"Geschichten machen mir manchmal Angst. Sie verraten zuviel." Ich klappte das Buch zu und stellte es zurück ins Regal. An seinem Platz sah es aus wie jedes andere, und ich hätte es nicht mehr finden können. Erst jetzt sah ich sie an, und sie lächelte. Ich fühlte mich verloren, hilflos, und ich schüttelte den Kopf, sah ihr nur kurz in die Augen, bevor ich mich umwandte und den ersten Schritt weg von ihr machte: "Ich muss gehen."
"Nein, warte..", sagte sie, und ich prägte mir ihre Stimme ein, bevor sie weiter sprach. "Wie hast du das gemacht?"
Ich drehte mich wieder zu ihr um, und ihr Blick war offen erstaunt. Sie lachte leise. "Ich meine, wie konntest du...?"
"Deinen Namen erraten?"
Jetzt lächelte ich, aber es war ein vorsichtiges Lächeln, klar, aber nicht zu selbstbewusst, obwohl ich gewonnen hatte. Die Worte fühlten sich gut an in meinem Bauch, und ich wusste, sie würden ihr Ziel treffen, noch bevor ich sie aussprach.
"Ich weiß nicht, ich muss ihn gehört haben, vorne an der Ausleihtheke, als du deine Bücher zurück gegeben hast. Oder vielleicht hast du mit einer Freundin gesprochen? Dann hab ich hier
Beatrice gelesen und laut gedacht. Es ist peinlich, also frag jetzt bitte nicht weiter!"
Ich lachte. Ihr gefielen meine Locken, meine Augen, meine Lippen. Ihr Blick streifte meinen Körper, und mir wurde warm, weil ich es zwischen den Beinen spürte. Ich wurde rot, und sie lachte wieder:
"Du bist süß! Und ich hab garantiert mit keiner Freundin und auch mit niemandem sonst geredet..."
Ich zuckte mit den Schultern.
"Vielleicht kannst du ja zaubern?" Sie hielt inne und schaute mir einen Moment lang tief in die Augen. "Und was jetzt?", fragte sie leise.
"Sag du's mir!" antwortete ich grinsend, und sie grinste zurück und schubste mich an der Schulter.
Sechs Tage später schlief Beatrice mit mir, und ich konnte ihr
das Geheimnis, wie sie es nannte, immer noch nicht verraten. Weil ich es selbst nicht wusste. Denn wie fühlt sich ein Name an? Welche Farbe hat er? Wohin gehen die Glühwürmchen, wenn es wieder Tag wird?
Ihre Küsse schmeckten nach Zimt, und ihr Atem streifte warm die Haut meines Halses, als sie ihn in die Hand nahm. Ich stöhnte, als sie es tat, und es fühlte sich wie das erste Mal an. Es war immer das erste Mal für mich.
15Unschuld täuscht manchmal, und die Unschuld in euren Augen war für mich nichts weiter als ein Eingeständnis eurer Schuld. Begann ich, mir die Dinge einzubilden? In diesen Monaten sah ich euch beinahe überall, und dieser Planet der Lebenden schien mir ein Planet der Toten zu sein. So vieles hatte mich davor gewarnt, was passieren würde, und ich fing an, jedem zu misstrauen. Und selbst die Liebe, selbst die Liebe wird unmöglich, wenn ich hinter jedem Licht den Schatten sehe.
Jetzt war ich gebrandmarkt als eines der
Regenbogenkinder - zu schöne Namen für schreckliche Dinge, und Blut vergießen wurde für mich zur heiligen Kunst erhoben.
The future's a dream, and sometimes dreams become nightmares because of our fears.Geronimos Worte behielten ihre Gültigkeit in jeder Sprache, und dies war jetzt das Mantra für mich - das einzige, was mich retten konnte:
"Die Zukunft ist ein Traum, und manchmal werden Träume erst wegen unserer Ängste zu Albträumen."Ich sagte es leise in meiner Sprache vor mich hin, so, wie ich seine Worte verstand, und dann begann ich es zu fühlen, so ganz tief innen, an der geheimen Stelle direkt unter meinem Herzen. Ich musste die Augen schließen, um die Stimmen außen zu übertönen, die sich durch grelles Tageslicht übersetzten, und ich hielt mir die Ohren zu, um das Mantra in meinen Knochen vibrieren zu lassen, als ich es wieder und wieder aussprach: "Die Zukunft ist ein Traum, und manchmal werden Träume erst wegen unserer Ängste zu Albträumen. Die Zukunft ist ein Traum, und manchmal werden Träume..."
Dann stand die Welt still, als ich wieder hin schaute, und obwohl ich die Hand vor Augen hielt, deren Fleisch nun so durchlässig schien, ich trotz meinem trügerischen Schutz blinzele, schiebt sich der Mond nun scheinbar immer schneller vor die Sonne, bis er sie fast vollkommen verdeckt.
Ein Wunsch für die Ewigkeit - nur ein einziger Platz kann dem gerecht werden, Sabrina, und ich erinnere mich. Ich erinnere mich dank deiner Worte:
"Ich weiß noch, wie du uns aufgeweckt hast und wir rausgeschaut haben und kaum glauben konnten, wie es aussah: Wie ein Märchenland, wie ein anderer Planet. Niagara Falls, U.S.A. war so nahe und so weit weg, und die Hotels waren auf einmal wie Burgen aus einer lange vergangenen Zeit. Wie hast du es noch gesagt? Ich weiß es nicht mehr genau, denn deine Worte waren schön und meine kommen nicht heran, ich kann es nur inhaltlich wiedergeben: Ja, es ist wirklich so, als ob der Planet morgens tief einatmet, bevor er ganz langsam ausatmet, bis die Sonne wieder hinter dem Horizont untergeht, und alles Leben ist wie Tanzen, und wir alle tanzen, solange wir nur können - solange ein Funken Leben, ein Quäntchen Atem in uns ist. Mit dir zu tanzen war zu schön, euch zu küssen ist immer nur der Anfang von etwas, und was Liebe angeht, will ich niemals ein Ende kennen."Sie fühlen sich an wie ein Streicheln, und sie ersetzen das Mantra, verschmelzen mit ihm, und du trägst mich zurück an einen Ort, der voller Schönheit war. Hier möchte ich bleiben, nur eine kleine Weile, für immer, ja? Lass mich nicht weg von hier, halt mich fest und erinnere mich an eure Küsse, die mir so sehr den Atem genommen haben, und ich möchte mit euch tanzen, solange wir nur können. In diesem Traum habe ich gesehen, dass die Sonne niemals mehr untergehen wird.
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Verhängnisvoll war stets, wie schnell sie sich dann bewegten, und dass du bis im letzten Moment nie wirklich sicher sein konntest. Es fällt ihnen leicht, dich zu betören, weil du dir sehnsüchtig wünschst, in einer Welt voller Blut, Eingeweide und Knochen wahre Schönheit anzutreffen. Wenn du dann nahe bei ihnen bist, willst du glauben, was du siehst, und alles in dir strebt danach, sie haben zu wollen. Dein Begehren wird unerträglich.
Aber ich habe gelernt, auf die Schatten zu achten.
Du hast keine andere Chance, denn sie sind schnell, sie sind erbarmungslos. Und sie sind wunderschön.
Ich denke, es ist Zeit für eine Geschichte, die ich niemals erzählen wollte. Die Geschichte eines Freundes, der sich unsterblich verliebte, um die Hölle auf Erden zu finden.
Das war ganz am Beginn der Dinge, die danach wie eine Epidemie waren, die nicht mehr aufhörte und das Land wie die Seelen veränderte.
Markus begegnete ihr in der Oper, und schon das hätte ihn misstrauisch machen sollen. Aber er wusste nicht, was er jetzt weiß, und er war so von ihrer Schönheit geblendet, dass er nicht den Hauch einer Chance hatte.
Was in dieser Welt, die er von seiner Geburt an zu kennen glaubte, besonders trügerisch und gefährlich war, war die fehlende Balance der Gegensätze. Schwarz wurde ganz schnell Weiß, und das Pendel schlug manchmal nicht nur überraschend aus, es rotierte geradezu, und es war messerscharf. Hier hatte sie ihn schnell hart an der Grenze, und der Tod begann sich gut anzufühlen, während sein Blut zu ihrem und ihr Blut zu seinem wurde. Das Land der ewig lebenden Toten begann sich in diesem Moment wie ein Paradies anzufühlen, und möglicherweise war es der einzige Ausweg aus seinem Land des immer währenden Jagens und Tötens. Er war das Pfählen leid, und vielleicht konnte er eine Zeit an ihrer Seite genießen, gemeinsam mit ihr Landstriche entvölkern und das mit ihr haben, was mehr als ein Äquivalent von Sex war. So zog er sie fest an sich und grub seine Zähne in ihre Lippen.Er schreckte hoch, und einen Augenblick lang war er sicher, sein Herz würde stehen bleiben. Sein Atem setzte aus, und seine Brust fühlte sich heiß an - als würden seine Eingeweide kochen. Dann hörte er sich selbst pfeifend Luft holen, ein unheimliches, beinahe verzweifeltes Geräusch, und sein Körper entschied sich, am Leben zu bleiben.
Nur ein Traum. Nur ein Traum!
Entspannen.Doch er wusste zuviel über Träume, um sich ein Gefühl der Sicherheit vorzumachen. Diesen Traum durfte er unter keinen Umständen vergessen.
in the flow