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August 9, 2007
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Die Geschichte des Elmer Damaskus

* Eine Geschichte von Beau Cyphre *


Es gibt Menschen, sagt man, die gibt es gar nicht.
Von einem dieser Menschen will ich Ihnen heute erzählen.
Es ist eine unwahrscheinliche Geschichte, die ich Ihnen erzählen werde, aber jedes Wort davon ist wahr. So und nicht anders haben sich die Dinge zugetragen.
Es ist die Geschichte von Elmer Damaskus, der Welt größtem Pechvogel.

Herr Damaskus, das sollte ich Ihnen vorher ausdrücklich mitteilen, war keine gewöhnliche Natur. Elmer war eines jener seltenen Originale, die nur einmal in zweihundert Jahren ihren Fuß auf diese Erde setzen, uns kurz mit dem Hauch ihres Genies streifen, um dann schleunigst, jedoch mit größtmöglicher Eleganz, wieder zu verschwinden - dahin, wo wir alle hin verschwinden, wenn unsere Zeit vorbei ist.

Elmer lässt sich am besten bezeichnen als eine jener leidenden Kreaturen, deren Wurzeln bis tief in die dunkle Zeit der christlichen Passionsgeschichte hinabreichen. Er litt an jedem Sonnenstrahl, der sich durch eine dicht geschlossene Wolkendecke Bahn brach.
Ja, mehr noch: Elmer Damaskus litt an jedem einzelnen Atemzug, den ihm das Leben als Zeichen seines guten Willens abverlangte.

Er war keine neurotisch-depressive Natur im klassischen Sinne. Wissen Sie, Elmer litt nicht an dem, was wir als Depressionen bezeichnen würden. Jeder andere hätte darunter gelitten, aber nicht Elmer!
Der wahre Knackpunkt ist: Er hatte den Trübsinn quasi mit der Muttermilch in sich aufgenommen. Trübsinn war Teil seines Blutkreislaufs und wesentlicher Bestandteil seiner Knochen.
Man könnte auch sagen: Trübsinn drang ihm aus jeder einzelnen Pore. Es war Elmers Normalzustand, kurz: Trübsinn war Elmer Damaskus' Natur.

Jedes Glück war Elmer Damaskus' Unglück - und jedes Unglück Elmers Glück.
Elmer konnte also für unsere Begriffe nur dann "glücklich" sein, wenn ihm ein Unglück widerfuhr und er seinen Trübsinn geradezu ausschwitzte, ihn absonderte als schmierige ätherische Masse, die eine "Mauer des Trübsinns" um seine Person errichtete, der kein Normalsterblicher zu nahe kommen wollte.
Elmer genoss also immer dann ganz besonders das Glück seines Trübsinns, wenn er Pech hatte - wenn die Welt für unsere Begriffe schlecht, für seine Begriffe höchst wohlwollend zu ihm war.
Dieses Pech war Elmers größtes Glück.

Pech war, wenn ich es mit unserem Verständnis der Begriffe ausdrücken will, dass die Welt meist gut zu Elmer war.
Die Welt meinte es so gut mit Elmer wie mit niemandem sonst.
Elmer hätte dies energisch bestritten: Seiner Auffassung nach lud die Welt ihren ganzen Frust ausgerechnet auf ihm ab.
Sie sehen also: Elmer Damaskus war eine sehr verdrehte und äußerst komplizierte Natur.

Elmer wurde zeitlebens geradezu vom Glück verfolgt - und diese Tatsache machte ihn zum vielleicht größten und bemitleidenswertesten Pechvogel, der je auf Gottes schöner Erde wandelte.
Das Glück verfolgte ihn auf Schritt und Tritt, und so kam es, dass alle Menschen, die die Gelegenheit hatten, Elmer zu Lebzeiten kennenzulernen, sich vor allem an das gequälte Lächeln erinnerten, das er stets zur Schau trug.
Dieses Lächeln hatte etwas Maskenhaft-starres; es schien auf Elmers Gesicht regelrecht eingefroren zu sein, sodass viele glaubten, es handle sich um eine Art Lähmung.
Elmer, von seinem Hausarzt (den er jede Woche zweimal konsultierte, immer in der vagen Hoffnung, der gute Doktor möge etwas Ernsthaftes finden) einmal daraufhin befragt, dementierte dies nicht.
Dummerweise konnte auch der Facharzt keinen neurologischen Schaden feststellen. Er kam zu einer recht schlichten Diagnose: "Sie sind eben eine wahre Frohnatur, Herr Damaskus! Bewahren Sie sich diese wunderbare Eigenschaft. Sie ist leider viel zu selten in diesen schwieriger gewordenen Zeiten."
Elmer lächelte, bis ihm die Tränen kamen.

Elmer war ständig auf der Suche nach Katastrophen.
Nichts wünschte er sich mehr, als nur ein einziges Mal im Brennpunkt des Geschehens zu sein. Ja, Sie lesen absolut richtig: IM Brennpunkt des Geschehens!
Es gab nichts, was unser tragischer Held mehr ersehnte, als von einer wie auch immer gearteten Katastrophe voll erwischt zu werden.

Elmer Damaskus verbrachte seinen Urlaub Ende April/Anfang Mai 1986 unglücklicherweise nicht in Pripjat in der Ukraine, sondern in einem kleinen Dorf am Fuße des Ätna. Natürlich erwies sich der Ätna, diese Lachnummer von Vulkan, wie sich Elmer zuhause noch äußern sollte, als grausamer Spielverderber.
Der Sommerurlaub in San Francisco 1987 entpuppte sich ebenfalls als Reinfall erster Güte. Damaskus hatte sich für ganze drei Wochen in einer der höchstgelegenen Hotelsuiten im unsichersten Wolkenkratzer der Küstenstadt eingemietet, aber: Der zuvorkommendste Service, das schönste Wetter und nicht die leiseste Erschütterung!

Eine Erlebnistour - solo mit Rucksack - durch die Slums von Rio geriet dann vollends zum Fiasko.
Obwohl Elmer wirklich alle Vorkehrungen für ein erstklassiges Unglück getroffen hatte - Armbanduhr von Cartier, Seidenhemd von Armani, Weste von Yves Saint-Laurent, Boss-Sonnenbrille - und voller Vorfreude war, jeden Augenblick die scharfe Klinge einer Stichwaffe in sein Fleisch eindringen zu sehen (oder ihr Eindringen zumindest zu spüren), tat ihm niemand den Gefallen.
Niemand, der ihn anhielt.
Niemand, der ihn zusammenschlug und ausrauben wollte.
Damaskus kickte voller Wut gegen einen faustgroßen Stein, der im Staub lag.

Er kollerte nicht besonders weit, überschlug sich nur drei Mal und blieb dann liegen. Form und Farbe waren so hässlich, dass Elmer tatsächlich eine Art traurige Befriedigung in sich verspürte, als er den Stein aufhob und - in Erwartung, dass der kleine Junge in Tränen ausbrechen würde angesichts dieser Monstranz - den pissgelben Klumpen dem schwarzen Bengel, der mit einem deformierten Lederball unterm Arm an einer Ecke stand, als Geschenk in die Hand drückte.
Stattdessen sprang der schmutzige Wicht scheinbar entzückt und laut schreiend davon - und kurze Zeit später war Elmer umringt von sehr einfach (und manchmal überhaupt nicht) bekleideten Menschen, die ihn feierten und hochleben ließen.
Der pissgelbe Klumpen entpuppte sich als faustgroßer Nugget (allein Gott weiß, was das Ding in den Slums zu suchen hatte!).

Sie erklärten ihn glücklicherweise nicht zum Heiligen, doch Elmer Damaskus wurde in den Zeitungen gefeiert als Wohltäter der Slums, als Retter der Armen, als eine Art Robin Hood der Neuzeit - einer, der die Gesellschaft erst ausbeutet, um zu persönlichem Wohlstand zu kommen, dann aber gefundenen Reichtum selbstlos an die Ärmsten der Armen verschenkt - und kehrte unverändert lächelnd in seine Heimat zurück.

Am Flughafen wurde er empfangen von Vertretern der Presse und der Lokalpolitik. Elmer wurde ohnmächtig und mit Blaulicht ins Hospital gebracht. Als er wieder zu sich kam und von einem Blitzlicht geblendet wurde, während zwei oder drei Mikros seinem Gesicht entgegenwuchsen, erwachte der Berserker in ihm.
Damaskus verkrallte die Finger seiner rechten Hand schreiend im Gemächt des nächststehenden Reporters (der daraufhin bereitwillig in Elmers Geschrei einfiel), schnellte sich von seinem Lager empor und stürzte sich mit gebleckten Zähnen kopfüber in Richtung des Blitzlichts, wo er sich in eine fleischige, stark behaarte Wade verbiß, den hilflos schreienden Eiermann hinter sich herziehend, und erst losließ, als er eine starke Beruhigungsspritze verpaßt bekam.


Doch im Gegensatz zu vielen anderen Geschichten hat die von Elmer Damaskus ein wirkliches Happy End.
Der Himmel war klar, und die Sonne schien gleißend vom Himmel, als Elmer auf die Straße trat.
Die Nacht im Hotel hatte ihm gut getan, denn er hatte wegen des anhaltenden Lärms in der Nachbarsuite kein Auge schließen können. Der Tag hatte vielversprechend begonnen.
Die Straße war stark befahren, und als er die sichtbar größer werdenden Verfärbungen im Asphalt bemerkte, verrissen die ersten Fahrer das Steuer und der kreischende Lärm kollidierenden Blechs lenkte die Blicke der Passanten für kurze Zeit auf das Unfallgeschehen, bevor der Asphalt tatsächlich zu kochen begann und die ersten Menschen Feuer fingen. Die Schreie waren ohrenbetäubend, und die Panik fraß sich wie Säure in die Menge, als die Erschütterungen des Bodens ein Ausmaß annahmen, das auf das Jüngste Gericht schließen ließ.

Als Elmer den von der Fahrbahn abgekommenen Wagen frontal auf sich zurasen sah, war er das erste Mal in seinem Leben überglücklich.
Ein Kristall aus dem BUCH DER TRÄUME



Beau Cyphre / Art & Photography



Love is a drug, I realize that now, and there's no way out of my misery: I have to do what you want me to do, and you don't need to tell. This is automatic, and so I push you against the wall and spread your legs with one single move. We're sealed in a kiss, but I feel out of my body and seem to be a complete stranger now: A stranger's body possessed by my demon making love to you really old school, and this body fucks you like an animal. This body's mine, this body's me, and this body's also the sun, and I feel your reflecting heat in the same way he does, and finally so close to my orgasm I understand what's meant by the holy and the secret divine things, and our ménage à trois becomes trinity. Lust U always and say a prayer...

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:iconnicolasscheerbarth:
NicolasScheerbarth Featured By Owner Jan 30, 2013  Professional Writer
Eine der besten, die ich von dir gelesen habe!
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:iconbeaucyphre:
BeauCyphre Featured By Owner Jan 31, 2013  Professional Writer
Vielen Dank :)!
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:icondragonfly-oli:
dragonfly-oli Featured By Owner Apr 12, 2012  Hobbyist Photographer
Dein Stil erinnert mich irgendwie an den von Thomas Mann. (Nur mit dem Unterschied, dass ich Manns Lektüre nicht mag.. ^^; )
Deine Geschichten gefallen mir immer sehr! :aww:
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:iconbeaucyphre:
BeauCyphre Featured By Owner Apr 12, 2012  Professional Writer
Oje, Thomas Mann - das schockt mich jetzt ziemlich :D!

Aber abgesehen vom Vergleich...danke für dein Lob und den erneuten Fav :).
Reply
:icondragonfly-oli:
dragonfly-oli Featured By Owner Apr 13, 2012  Hobbyist Photographer
Nein, das war überhaupt nicht negativ gemeint! :aww: Bitte nimm mir das nicht böse, aber das war das Erste, was mir dazu spontan eingefallen ist..
Reply
:iconbeaucyphre:
BeauCyphre Featured By Owner Apr 13, 2012  Professional Writer
Hey, ist schon okay :D! Du kannst ja nichts dafür, dass ich mit Thomas Mann eher Negatives aus meiner Schulzeit verknüpfe, als wir Bücher lesen mussten.
Reply
:icondragonfly-oli:
dragonfly-oli Featured By Owner Apr 13, 2012  Hobbyist Photographer
Wir mussten auch die Bücher lesen, bzw bin gerade dran. Mario und der Zauberer und sowas. Aber ich finde, Schullektüren machen einem das ziemlich mies, was man eigentlich so aus den Büchern lesen kann.
Reply
:iconbeaucyphre:
BeauCyphre Featured By Owner Apr 13, 2012  Professional Writer
Stimmt, denn alles, was man bis dann und dann lesen muss, kommt immer beschissen - da kann ein Buch eigentlich noch so gut sein.
Reply
:iconnicole-socrazy:
NiCoLe-sOcRaZy Featured By Owner Apr 17, 2009  Student Writer
danke ! :hug:
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:iconbeaucyphre:
BeauCyphre Featured By Owner Apr 17, 2009  Professional Writer
Ach, für was denn? Wenn ich dich nicht mögen würde, würde ich dir sicher nicht so ausführlich schreiben und auch mal 'nen passenden Text raussuchen - aber völlig hängen lassen würde ich dich auch dann nicht. So kammt aber eben dazu, dass du mir sehr sympathisch bist.
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